Warum wir künftig nicht mehr in alle EU-Länder liefern können

Warum wir künftig nicht mehr in alle EU-Länder liefern können
Liebe Kundinnen und Kunden,
es fällt uns nicht leicht, diesen Schritt zu gehen: Wir müssen unseren Versand in zahlreiche Länder der Europäischen Union einstellen.
Nicht, weil wir nicht mehr ins Ausland liefern möchten. Nicht, weil der Versand zu kompliziert geworden ist. Und schon gar nicht, weil uns unsere Kundinnen und Kunden außerhalb Deutschlands weniger wichtig wären.
Der Grund sind die neuen und verschärften Anforderungen rund um die europäische Verpackungsverordnung PPWR und die sogenannte EPR, die erweiterte Herstellerverantwortung für Verpackungen.
Der Grundgedanke dahinter ist richtig: Wer Verpackungen in Verkehr bringt, soll sich auch an deren Entsorgung und Recycling beteiligen.
Diesen Gedanken unterstützen wir ausdrücklich.
Wir versuchen seit Jahren, Verpackungsmüll zu reduzieren, Verpackungen möglichst sinnvoll einzusetzen und unnötiges Plastik zu vermeiden. Dass Verpackungen gesammelt, recycelt und ordnungsgemäß entsorgt werden müssen, steht für uns überhaupt nicht zur Diskussion.
Was für einen kleinen Händler wie uns allerdings zum Problem wird, ist die praktische Umsetzung.
Ein Paket kann bereits Verpflichtungen auslösen
Wer als deutscher Händler verpackte Waren direkt an Kunden in einem anderen EU-Mitgliedstaat verkauft, bringt dort Verpackungen in Verkehr. Nach den neuen Regelungen muss sich ein Hersteller bzw. Versender grundsätzlich in den jeweiligen Mitgliedstaaten registrieren, in denen er erstmals Verpackungen oder verpackte Produkte auf den Markt bringt.
Eine allgemeine europäische Bagatellgrenze, nach der beispielsweise erst ab 100, 500 oder 1.000 Kilogramm eine Registrierung erforderlich wäre, sieht die PPWR für diese Registrierung nicht vor.
Das bedeutet im Ergebnis:
Auch sehr kleine Versandmengen können Registrierungspflichten auslösen.
Und genau hier beginnt für uns als kleinen Händler das Problem.
Was das in der Praxis bedeutet
Österreich ist ein gutes Beispiel.
Dort sind wir registriert und erfüllen die entsprechenden Verpflichtungen. Wir haben einen in Österreich ansässigen Bevollmächtigten eingesetzt und unsere Verpackungsmengen ordnungsgemäß lizenziert.
Dabei mussten wir eine Mindestmenge von 1.500 kg Verpackungen lizenzieren.
Unsere tatsächlich nach Österreich versandte Verpackungsmenge lag im bisherigen Jahr 2026 allerdings bei gerade einmal 58 kg.
Trotzdem haben wir uns bewusst für die Registrierung entschieden, weil wir genügend Kundinnen und Kunden in Österreich haben und hoffen, dass sich der Aufwand wirtschaftlich weiterhin tragen lässt.
Bei vielen anderen EU-Ländern sieht die Rechnung völlig anders aus.
Mehrere hundert Euro Fixkosten für wenige Pakete
Nach den uns vorliegenden Angeboten und Kosten entstehen uns für die notwendige Abwicklung je Land unter anderem:
- jährliche Servicegebühr: 199 Euro
- jährliche Bevollmächtigtengebühr: 75 Euro
- notarielle Bevollmächtigung: 149 Euro
- jährliche Entsorgungs- bzw. Lizenzierungsgebühr: 180 Euro
Das sind bereits 603 Euro je Land, bevor ein einziges Paket verschickt wurde.
Und dabei reden wir nicht über die eigentlichen Versandkosten, Verpackungsmaterial, Arbeitszeit oder die Kosten der Ware. Es geht ausschließlich um die zusätzlichen Kosten zur Erfüllung der Verpackungspflichten.
Nun könnte man sagen: 603 Euro sind für ein Unternehmen doch kein großes Problem.
Schauen wir deshalb auf unsere tatsächlichen Zahlen.
Im gesamten Jahr 2026 haben wir bisher, Österreich ausgenommen, gerade einmal 110 Pakete in andere EU-Länder verschickt.
Zum Beispiel:
Niederlande: 5 Pakete
Schweden: 4 Pakete
Finnland: 6 Pakete
Ungarn: 6 Pakete
In vielen anderen EU-Ländern sieht es ähnlich aus.
603 Euro jährliche Fixkosten für fünf Pakete in die Niederlande?
Das wären rechnerisch mehr als 120 Euro zusätzliche Kosten pro Paket, wenn es bei dieser Größenordnung bleibt.
Bei vier Paketen nach Schweden wären es sogar rund 151 Euro pro Paket.
Natürlich können die Bestellzahlen bis zum Jahresende noch steigen. Aber die Größenordnung zeigt das eigentliche Problem sehr deutlich.
Ein wirtschaftlicher Versand ist unter diesen Bedingungen für uns nicht mehr möglich.
Deshalb müssen wir Konsequenzen ziehen
Wir könnten natürlich sämtliche Kosten bezahlen und weiterhin überall hin liefern.
Dann müssten wir diese Kosten aber irgendwie erwirtschaften.
Ein großer Händler, der 100.000 Pakete in ein Land verschickt, verteilt 603 Euro Fixkosten auf 100.000 Sendungen. Das entspricht nicht einmal einem Cent pro Paket.
Wenn wir fünf Pakete in dieses Land verschicken, verteilen sich dieselben Fixkosten auf fünf Sendungen.
Genau hier liegt aus unserer Sicht ein grundlegendes Problem der Regelung.
Die Umweltbelastung entsteht durch Verpackungsmengen. Die wirtschaftliche Belastung der Regulierung richtet sich aber nicht ausschließlich nach diesen Mengen.
Das halten wir für falsch.
Umweltschutz ja. Aber ist das verhältnismäßig?
Wir möchten ausdrücklich nicht falsch verstanden werden.
Wir sind für Recycling.
Wir sind für vernünftige Verpackungen.
Wir sind für weniger Verpackungsmüll.
Und selbstverständlich finden wir es richtig, dass Unternehmen für die Verpackungen Verantwortung übernehmen, die sie in Verkehr bringen.
Was wir kritisieren, ist eine Bürokratie, deren Fixkosten einen kleinen Händler mit wenigen Auslandssendungen ungleich stärker treffen als einen Konzern mit Millionen Paketen.
Die PPWR sieht für die Registrierung in einem Mitgliedstaat keine allgemeine Mindermengenregelung vor. Die Verpflichtung entsteht damit grundsätzlich bereits mit der ersten relevanten Sendung.
Verstöße gegen Verpackungsvorschriften können zudem empfindliche Sanktionen nach sich ziehen. In Deutschland können bestimmte Verstöße gegen das Verpackungsgesetz beispielsweise mit Bußgeldern von bis zu 200.000 Euro geahndet werden. Die konkrete Höhe und Ausgestaltung der Sanktionen unterscheidet sich innerhalb Europas.
Einfach weiterversenden und darauf hoffen, dass schon niemand nachfragt, kommt für uns deshalb nicht infrage.
Und was ist eigentlich aus dem europäischen Binnenmarkt geworden?
An dieser Stelle erlauben wir uns auch eine persönliche Anmerkung.
Eine der großen Ideen Europas war für uns immer der freie Warenverkehr.
Ein kleiner Händler in Deutschland verkauft einem Kunden in Finnland Lebensmittel. Ein französischer Händler verkauft nach Deutschland. Ein italienischer Familienbetrieb verschickt seine Spezialitäten nach Schweden.
Genau das verstehen wir unter einem europäischen Binnenmarkt.
Die Realität wird für kleine Unternehmen zunehmend komplizierter.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die europäische Geo-Blocking-Verordnung. Ein Kunde aus Finnland darf beispielsweise nicht einfach aufgrund seiner Herkunft vom Zugang zu unserem Shop ausgeschlossen werden. Die Geo-Blocking-Regeln verpflichten uns allerdings nicht, eine Lieferung nach Finnland anzubieten.
Das Ergebnis wirkt zumindest etwas kurios:
Ein finnischer Kunde kann unsere Produkte sehen und sich über unsere Angebote informieren. Wir können gleichzeitig zu dem Ergebnis kommen, dass wir Finnland aufgrund der dort entstehenden regulatorischen Verpflichtungen nicht mehr als Lieferland anbieten können.
Formal ist das miteinander vereinbar.
Ob es der ursprünglichen Idee eines möglichst unkomplizierten europäischen Binnenmarktes entspricht, darf jeder selbst beurteilen.
Und dann wäre da noch eine Frage ?
Besonders gespannt sind wir darauf, wie konsequent dieselben Grundsätze gegenüber den gewaltigen Mengen an Paketen durchgesetzt werden, die täglich über internationale Plattformen aus Drittstaaten in die Europäische Union gelangen.
Vielleicht funktioniert das alles hervorragend.
Vielleicht erleben wir aber auch die interessante Situation, dass der kleine europäische Händler sehr genau erklären muss, wo sein Karton registriert und lizenziert wurde, während gleichzeitig Paketberge aus aller Welt durch europäische Verteilzentren laufen.
Wir hoffen ausdrücklich auf Ersteres.
Denn gleiche Regeln sind nur dann sinnvoll, wenn sie auch für alle Marktteilnehmer gleichermaßen durchgesetzt werden.
Trifft diese Regelung kleine Händler besonders hart?
Aus unserer Sicht eindeutig: ja.
Ein großer internationaler Händler kann Registrierungs-, Beratungs-, Bevollmächtigten- und Verwaltungskosten auf Millionen Bestellungen verteilen.
Wir können das nicht.
Bei fünf Bestellungen in einem Land gibt es nichts zu verteilen.
Deshalb entsteht bei uns leider der Eindruck, dass eine eigentlich sinnvoll gedachte Umweltregulierung einen unerwünschten Nebeneffekt hat:
Sie macht grenzüberschreitenden Handel für kleine Unternehmen teilweise unwirtschaftlich und stärkt damit ausgerechnet die großen Marktteilnehmer.
Wir glauben nicht, dass weniger Wettbewerb und eine stärkere Konzentration des Onlinehandels auf wenige große Plattformen das Ziel europäischer Umweltpolitik sein sollte.
Die praktische Konsequenz ist für uns dennoch dieselbe.
Österreich bleibt. Viele andere EU-Länder leider nicht.
Nach sorgfältiger Abwägung haben wir deshalb entschieden, den Versand in EU-Länder, in denen sich Registrierung, Bevollmächtigung und Lizenzierung aufgrund unserer wenigen Bestellungen wirtschaftlich nicht darstellen lassen, einzustellen.
Österreich bleibt weiterhin als Lieferland bestehen.
Dort haben wir genügend Kundinnen und Kunden, sodass wir trotz der erheblichen Fixkosten hoffen, weiterhin wirtschaftlich liefern zu können.
Bei Ländern, in die wir im gesamten Jahr vielleicht vier, fünf oder sechs Pakete versenden, ist das schlicht nicht möglich.
Das bedauern wir sehr.
Vor allem deshalb, weil es nicht an fehlender Nachfrage, hohen Versandkosten oder mangelnder Bereitschaft unsererseits scheitert.
Es scheitert an den Fixkosten und dem Verwaltungsaufwand, der bereits bei kleinsten Versandmengen entstehen kann.
Europäisch aus Überzeugung. Trotzdem nachdenklich.
Wir waren und sind von der europäischen Idee überzeugt.
Gerade für kleine Unternehmen war ein gemeinsamer europäischer Markt einmal ein großartiges Versprechen: Grenzen verlieren an Bedeutung, Handel wird einfacher und auch kleine Betriebe können Kunden in ganz Europa erreichen.
Im Moment müssen wir feststellen:
Irgendwie bröckelt von diesem Versprechen für kleine Händler so manches.
Vielleicht werden die Regelungen in Zukunft noch praxisgerechter. Vielleicht entstehen tatsächlich vereinfachte Verfahren für kleine Unternehmen und sehr geringe Verpackungsmengen.
Wir würden das sehr begrüßen.
Denn Umweltschutz und ein funktionierender europäischer Binnenmarkt sollten keine Gegensätze sein.
Bis dahin bleibt bei uns eine ziemlich einfache Frage:
Wo ist das Versprechen vom freien Warenverkehr innerhalb der Europäischen Union geblieben?
Oder anders gefragt:
Gilt der europäische Binnenmarkt in der Praxis irgendwann nur noch für Unternehmen, die groß genug sind, sich seine Bürokratie leisten zu können?
Wir finden, darüber darf man zumindest diskutieren.
Eure
Müsli Mühle
