BIO vs Konventionell

Bio vs Konventionell – Die Wahrheit über versteckte Kosten

In unserer Welt wird gerne verglichen, um sich ein angeblich besseres Bild, einen besseren Überblick zu verschaffen. Doch tun wir das wirklich? Oder ist es nicht eher so, dass wir viele Faktoren, die eingerechnet werden müssten, erst gar nicht berücksichtigen, weil sie ein anderes Ergebnis bringen würden, als das erwünschte?

“Einkaufen im Bio Markt, das kann ich mir nicht leisten”, “Bio ist doch viel zu teuer, ich habe nicht genug Geld dafür”, “Ich habe eine ganze Familie zu ernähren, wie soll ich das mit Bio schaffen bei den Preisen?”. Das sind nur einige Argumente, die immer wieder in Diskussionen zu hören sind. Ist dies aber tatsächlich so? Haben wir bei konventionellen Lebensmitteln wirklich alle Kosten, die entstehen, berücksichtigt und im Preis mit einkalkuliert? Nein und genau da liegt das Problem.

Bio wirkt teurer, ist es aber nicht

Schauen wir auf einzelne Produkte sehen wir teilweise massive Preisunterschiede zwischen biologisch und konventionell produzierten Lebensmitteln. Doch warum ist das so? Um das zu verstehen, müssen wir etwas tiefer blicken. Die Auffassung, dass herkömmliche Produkte kosteneffizienter zu produzieren sind als ökologisch nachhaltige, ist nicht richtig. Grund hierfür ist, dass die gesamtgesellschaftlichen Kosten keine Berücksichtigung finden.

Bioprodukte sind im Allgemeinen teurer als solche aus der konventionellen Landwirtschaft. Die Herstellungskosten sind höher. Dies gilt jedoch nur aus der betriebswirtschaftlichen Sicht. Finden externe Kosten Berücksichtigung, ändert sich dieser Eindruck. In 2014 stieß die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ein Projekt an, die gesamtgesellschaftlichen Kosten aus der landwirtschaftlichen Herstellung mit einzubeziehen. Viele Organisationen folgen seither diesem Beispiel.

Der Ansatz der FAO sieht so aus: Unerkannte Ressourcen wie menschliche, soziale, intellektuelle und natürliche Sachwerte werden in klassischen Bilanzen nicht berücksichtigt. Es zählt diese in einen kollektiven Wert zu übertragen, um weitsichtige Entscheidungen über Tragweite und Zusammenhänge treffen zu können. Aus diesem Grund braucht es eine Vollkostenrechnung. Hier sind nicht handelsfähige Umwelt- und Sozialwerte berücksichtigt, sodass Kosten und Nutzen von wirtschaftlichen und/oder politischen Beschlüssen analysiert werden können.

So entstand der ein oder andere Ansatz, durch deren Hilfe Unternehmen ihre Positionen und Abhängigkeiten ermitteln und beurteilen. Zudem beschließen sie ihre Entscheidungen und Strategien damit und kommunizieren mit Investoren. Das von der FAO angebotene Naturkapitalprotokoll ergänzt diese Ansätze und bietet einen vereinheitlichten Rahmen, damit das Naturkapital in Entscheidungsfindungen mit einbezogen werden kann.

Kosten trägt die Gesellschaft

Übersetzen wir diesen wertfrei formulierten Ansatz verständlich in die Bio-Welt, dann hört sich das so an: Setzt ein Lebensmittelproduzent künstliche Düngemittel, Herbizide und Pestizide ein, fallen externe Kosten an, denn die Benutzung hat Effekte auf Bodenabbau und -verarmung, Wasserverunreinigung und Klimawandel. Der Hersteller verursacht diese Kosten, aufkommen dafür muss die Gesamtgesellschaft.
Der britische Sustainable Food Trust nutzte diesen Ansatz in 2017 in einer Studie “The Hidden Cost of UK Food”, mit eindrucksvollem Ergebnis: Jedes von Verbraucher:innen ausgegebene Pfund für Lebensmittel, bringt ein zusätzliches Pfund an Folgekosten für Gesundheits- und Umweltschäden hervor. Blickt man also auf die wirklichen Kosten, seien Bio-Lebensmittel günstiger als herkömmliche Lebensmittel.

Lücke zwischen tatsächlichen und Marktpreisen

Die Studie “How much is the dish” einer Arbeitsgruppe der Universität Augsburg kam in 2018 zu gleichartigen Ergebnissen wie die Kollegen aus Großbritannien: Demzufolge hängen die höchsten externen Auswirkungen oder indirekte Kosten mit der Produktion herkömmlich hergestellter Produkte tierischen Ursprungs zusammen (Erzeugerpreis Aufschlag beträgt 196%), an zweiter Stelle liegen die Aufschläge für herkömmlich hergestellte Milchprodukte (96%) und den geringsten Aufschlag für Bio Lebensmittel pflanzlicher Herkunft (6%).

Quelle: Universität Augsburg/MRM

Wenn die Kapitalwerte des Aufwands für die Wasserreinigung, der Bodenerosion und des CO2-Fußabdrucks bekannt sind, ist es für jede Organisation und jedes Unternehmen möglich mit dem Modell der FAO die wahren Kosten für ein Produkt zu beziffern. Dies bestätigt auch das Bundeszentrum für Ernährung (BzfE).

Ein paar Beispiele
In der Studie “The future of agriculture in Egypt” für das Carbon Footprint Center in Zusammenarbeit mit der Heliopolis University for Sustainable Development (HU) kam es zu ähnlichen Ergebnissen. Auch in dieser Studie wurde zur Berechnung das Modell der FAO angewendet.

Die Grafik verdeutlicht die höheren Kosten für Umwelt und Gesellschaft, die durch den Einsatz von konventionellen Anbaumethoden entstehen, da diese höhere Schadenskosten beinhalten. Der ökologische Landbau ermöglicht eine Kostenreduzierung für die Gesellschaft von ca. 2000 EGP (Ägyptische Pfund) pro Feddan (etwa 0,42 Hektar) für fast alle in dieser Studie untersuchten Kulturen, da nur geringe Schadenskosten in die Berechnung einfließen.

Beim Anbau von Futtermittel kommen Düngemittel zum Einsatz, da der beinhaltete Stickstoff bedeutend für das Wachstum von Pflanzen ist. Landwirte verwenden aus diesem Grund stickstoffhaltige Gülle, Gärreste aus Biogasanlagen und auch Chemiedünger. Häufig wird viel zu viel gedüngt und es gelangt zu viel Stickstoff auf die Felder, der von den Pflanzen nicht komplett aufgenommen werden kann und als Nitrat ins Grundwasser sickert.
Das hat zur Folge, dass das Nitrat aufwendig entfernt werden muss um es als Trinkwasser zu verwenden. Zudem finden Pestizide im Futtermittelanbau Verwendung, die die Diversität der Äcker vernichtet. In der Viehwirtschaft bildet sich weiterhin auch Lachgas und Methan. CO2 entwickelt sich in zweierlei Hinsicht. In direkter Weise durch Transport, Kühlung und die Produktion von Dünger und auch indirekt, weil für bewirtschaftete Ackerflächen und Weiden ständig mehr Wald gerodet und Moore drainiert werden. Durch den vermehrten Einsatz von Antibiotika in der Viehhaltung, steigt die Zahl resistenter Bakterien und richtet Schäden in der Humanmedizin an. All das sind Kosten für die Gesamtgesellschaft, die in Lebensmittelpreisen keine Beachtung finden.

Bio günstiger als wir denken
Externe Kosten sind im Biolandbau um einiges geringer, da der Einsatz von Kunstdünger und Pestiziden untersagt ist. Auch die präventive Verwendung von Antibiotika verringert die Kosten. Auf der anderen Seite schützen Biolandwirte die Diversität und binden CO2. Die Erträge sind jedoch geringer, weshalb Bio Lebensmittel etwas teurer sind. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN (FAO) hat beide Systeme am Beispiel von Weizen miteinander verglichen. Dieser Vergleich zeigt, dass die natürlichen Kosten im konventionellen Ackerbau etwa doppelt so hoch sind. Mit über 2500 US Dollar gegenüber rund 1300 US Dollar im Bio Anbau.

Es ist natürlich nicht einfach die Kosten einzelner Lebensmittel auf den Kassenzettel zu drucken, dennoch bewirken derartige Berechnungen ein besseres Bewusstsein für die Problematiken der Agrarindustrie. Und gleichzeitig zeigt sie die Vorteile der Bio Landwirtschaft erkennbarer.

Nun können sie unsere Bio Müslis noch intensiver geniessen. Unsere Bio Produkte tragen zum Erhalt der Diversität bei und zusätzlich setzen wir auch ökologisch nachhaltige Verpackungen.

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